Brasilianische

Wie im Kapitel “Dänische” erwähnt, wird Gustav Carl am 8. September 1829 in Fredericia geboren, und unter den Paten, die am 3. April 1830 an der Taufe teilnehmen, sind auch Sr. John Stahlschmidt (siehe nachfolgendes Portrait) und seine Frau aus London.

Oben  ist das Wappen der Familie Joost zu sehen und das Konterfei von Gustav Carls Onkel Johann Wilhelm Joost

Der Vater wünscht ein Theologiestudium für Gustav, es kommt zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden und Gustav geht zu seinen Verwandten mütterlicherseits nach Hamburg, um Landwirtschaft zu studieren. Sein Grossvater Johann Christoph Joost (*10.11.1755) ist bereits 1818 verstorben. Die beiden Brüder seiner Mutter, Johann Georg Martin Joost (*01.05.1793) und Johann Wilhelm Joost (*10.04.1799) führen die Pelzhandlung ihres Vaters weiter, wobei Johann Wilhelm zunächst noch Assekuranz-Makler ist.

Gustavs Vetter George Rudolf Albert, der Sohn von Anna Maria Henriette Albert, geb. Joost, lebt einige Zeit in Rio de Janeiro, wo er seine Frau Louise von Dehn, gen. Braun (*14.11.1831 in Rio de Janeiro) kennen lernt und am 07.07.1849 in Hamburg heiratet.

Am 9. August 1853 verlässt Gustav an Bord der “Carolina” unter Kapitän Dietrichsen Hamburg in Richtung Brasilien, wo er nach 82 Tagen Überfahrt am 29. Oktober 1853 in Colonia Dona Francisca (später Joinville) eintrifft und als 1011. Immigrant registriert wird.

Auf 118 ha Land in Joinville, Estrada de Blumenau, baut Gustav eine Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht (darunter auch Pferde) auf, die riesige Flächen von Zuckerrohrfeldern umfasst. Nachdem die Erträge schnell grösser als erwartet sind, kommt eine Rumdistillerie hinzu.

Neun Jahre nach seiner Ankunft in Brasilien heiratet Gustav am 26. Juni 1862 Maria Christiana Sophia Hammerich, die aus Dassow, Mecklenburg-Vorpommern, gebürtig ist. Sie schenkt ihm fünf Kinder und folgt ihrer am 25. Februar 1870 geborenen und verstorbenen Tochter nur wenige Stunden später in den Tod. Bei der Taufe von Gustavs und Maria Christiana Sophias viertem Kind Friedrich Wilhelm Victor am 7.3.1869 ist Victor Stahlschmidt unter den Paten, bei dem es sich um Gustavs zwei Jahre jüngeren Bruder aus Dänemark handeln muss. Nachfolgend zwei Einträge aus den Kirchenbüchern von Joinville, und zwar handelt es sich um Gustavs erste Eheschliessung mit Maria Sophia Christiana Hammerich im Jahr 1862 und die Geburt des ersten gemeinsamen Sohnes im Jahr 1865. Unter den Paten von Georg Heinrich Gustav Stahlschmidt ist auch Maria Sophia Christinas Stiefbruder Hans Peter Heinrich Grahl, der mit seinen Eltern Hamburg  auf Schiff “Linda” am 4.5.1854 Richtung Joinville verlässt.
Gustavs_HeiratGeburt_GHGustav_1865
Am 26. Oktober 1870 wird Gustavs zweite Ehe mit Auguste Wilhelmine Caroline Ehlke, Tochter von Johann Wilhelm Friedrich Ehlke und Dorothea Luise Schmeling,  geschlossen, die am 5. Oktober 1850 in Cambz, Kreis Cammin, Pommern, geboren worden ist. Auguste Wilhelmine Caroline bringt zwei Töchter und sieben Söhne zur Welt.

Tochter Anna Augusta Hedwig Stahlschmidt heiratet in Brasilien den gebürtigen Brandenburger Albert Horn aus Kloster Lehnin. Die junge Familie kehrt nach Deutschland zurück und lebt zunächst in Alberts Geburtsort in der Mark Brandenburg, wo er 1906 Mitbegründer der Feuerwehr ist. Später zieht die Familie (dem Ehepaar Horn-Stahlschmidt werden mindestens sechs Kinder geboren) nach Nordenham-Phiesewarden in Niedersachsen.  Eines ihrer vielen Enkelkinder ist Roy Uwe Ludwig Horn (siehe Siegfried und Roy). An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Hedwigs Urenkelin Gaby Heidrich für diese Informationen. Das nachfolgende Hochzeitsfoto von Anna Augusta Hedwig Stahlschmidt und Albert Horn hat ihre Enkelin Edda, eine Halbschwester des vorerwähnten Roy Horn, zur Verfügung gestellt, wofür ich mich ebenfalls herzlich bedanke. Das Familienfoto stammt wiederum aus dem Besitz von Gaby Heidrich und zeigt Hedwig Horn, geb. Stahlschmidt, mit ihren Kindern Gertrud, Werner, Helene, Ingeborg (auf dem Schoß) und ganz rechts Arthur.
Stahlschmidt_HornFamilie_Horn
Einwanderer Gustav Carl Stahlschmidt stirbt am 16. März 1892 im Alter von 63 Jahren in Joinville und wird auf dem Friedhof von Morro da Pedreira bestattet. Seine Frau Auguste Wilhelmine Caroline verstirbt am 6. Juli 1919 in Porto Alegre bei ihrem jüngsten Sohn Max Emil. Bei einem Klick auf Gustav_Stahlschmidt erscheint eine entsprechende, nicht komplette Liste.

Am 15. November 2003 hat die brasilianische Stahlschmidt-Familie, die dort nun in der sechsten Generation lebt, den 150. Jahrestag von Gustavs Einwanderung gefeiert (siehe Bericht im Kapitel “Reunion 2003″). Unter den Jubilaren befindet sich Erny Stahlschmidt, Gustavs 94jähriger Enkel, der im Jahr 1994 die Familiengeschichte und -daten zusammengetragen hat, die auf Recherchen basieren, welche Professor Alberto Stahlschmidt während seines zweijährigen Aufenthaltes in Deutschland zusammen mit Tomaz Stahlschmidt unter Verwendung von Ottomar Stahlschmidts genealogischen Forschungsergebnissen (siehe Kapitel “Ottomar”) aufgezeichnet hat. Dazu gehört auch eine Interpretation des Stahlschmidt-Wappens, nämlich: die Lilie steht für Tugend und Demut, der Löwe für Stärke und Widerstandskraft, die blaue und silberne Farbe stehen für Wachsamkeit, die schwarze und goldgelbe für Ehre und langes Leben.

Erny hat 1994 unter dem Titel “Vagando pelo Século” eine “historische Chronik verfasst, die 2009 in zweiter Auflage erschienen ist:

Ein ganz herzlicher Dank an den leider inzwischen verstorbenen Waldir Stahlschmidt sowie an Elton Stahlschmidt in Brasilien für die zugeschickten “Dados Genealogicos”, die gemeinsam das zweite brasilianische Stahlschmidt-Treffen am 13.11.2005 organisiert haben.