Ferndorfer

Der Begründer des Ferndorfer Stammes ist Johannes Stahlschmidt, ~1.9.1641, der durch seine Heirat mit Catharina Rauting, ~31.07.1644, die der Besitzerfamilie des Aher Stahlhammers entstammt, nach Ferndorf kommt.

Johannes übt die drei Berufe Wirt, Bäcker und Hammerschmied aus, bewohnt das nachfolgende Haus und beschäftigt u.a. eine Magd Margreth aus Radevormwald, die im selben Jahr stirbt wie seine in Freudenberg geborene Schwiegermutter Catharina Rauting, geb. Müller (1677). Der Schwiegervater von Johannes Stahlschmidt, der Reidmeister und Gerichtsschöffe Johannes Rauting soll mit den Remscheider Werkzeugschmieden Hasenclever in so lebhafter Verbindung gewesen sein, dass zahlreiche andere bergische Schmiede wegen dieser bevorzugten Belieferung Hasenclever’s mit bestem Siegerländer Stahl Einspruch erhoben1.

Aus den vom Siegener Landschreiber Johann Philipp Eiershausen in den Ämtern Hilchenbach und Ferndorf/Krombach von 1659 – 1676 verfassten Landgerichtsprotokollen geht folgende Gerichtsverhandlung vom 30.9.1662 hervor, deren Inhalt ein Forscherfreund transkribiert und dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat:

“Zuwissen seÿ hiermit und Krafft dießes brieffs alß undt nach deme Johann Höber deßen Eÿdamb und Dochter Johannes Möller Agnes eheleuthe zu Ferndorff, mit CatharinenIhrer Schwägerin Johanneß Rüttings seel wittiben und nunmehr deren Eydamben und Dochter Johanneß Stahlschmidten Catharinen eheleuthen daselbsten wegen Ihrer respe Schwieger Vatter und AltVatterlichen Theilung Von Andreas Ruttingen herrurend und sonderlich wegen deß Stahlhammers Zur Ahe in streit und mißhelligkeiten bestanden, daß nunmehr bißhehro streitende Partheÿen Sich dießes Ihres streits wegen freundtschwagerlich verglichen und Vereinbahrt haben daß Johanneß Stahlschmidt der Eÿdamb mit bewilligungen seiner Schwiegersmuttern Ihme Johann Höbern, Johanneß Möllern Agnesen deßen Haußfrawen Zu Stefft [von stiften]   und conservirung künftigen guten Vertrawens und schwägerlichen freundtschafft die derwegen und daß hin kunfftig Kein theil ahn dem Andern ferner etwaß auch daß geringsten nit zu suchen haben solle, ein mahl Vor all Zu einem endtlichen und ewigen abstandt Die Summ Von Acht Reichsthalern gegeben, Und Sie dargegen uf alle fernere AhnsPruch wohl bedächtlichen Verziehen undt in deme stande, worin Sie Catharein Johanneß Ruttings seel wittib und nuhnmehr deren Eydamb und dochter, Johanneß Stahlschmidt Catharina eheleuthe bestanden und noch bestehen thun es seÿe in liegenden oder fahrenden so von vorahngerechter Theilungen hehrkommen möchte, und sonderlichen im Stahlhammer Zur Ahe ferner unperturbirt gerecht und getrost belaßen haben wollen: getrewlich sonder argelist und Alle gefahrde:  Zeugen Herr Theiß Hartman Statschoffe und burgermeister der Statt Siegen und
Johanneß Schreiber zu ferndorff “

1678 wird Johannes in die Hammerschmiedezunft aufgenommen und besitzt zwei Hammertage am “Berger Eisenhammer” in Ferndorf. Ausserdem wird er als Gerichtsschöffe und Kirchenältester genannt. Seine Frau Catharina, deren Gevatterin Johannes Schreibers Ehefrau Catharina Walpersdorf ist, stirbt kurz nach der Geburt des fünften Kindes und erhält im Totenbuch folgenden Eintrag: “et haec fuit vere pia et omnibus chara uxor, sine dolo, annor. 25″ (und diese war eine wahrhaft fromme und von allen geliebten (Ehe-)Frau, ohne Schmerzen, im Alter von 25 Jahren). Catharinas Eltern sind Johannes Rauting, Ältester und Schöffe im Gericht Ferndorf und Krombach, und die vorerwähnte Catharina Müller, deren Eheschliessung unter dem 28.4.1624 im Ferndorfer Kirchenbuch verzeichnet ist.

Der nachfolgende Kirchenbucheintrag zeigt die Eheschliessung von Catharinas Grossvater Enders Rauting mit Elsgen Nol am 02.07.1592. Aus dem Eintrag geht weiterhin hervor, dass Elsgens Vater Philipp Nol Hammerschmied vorm Berg ist.

Bei Catharina Rautings Mutter Catharina Müller, der zweiten Ehefrau ihres Vaters Johannes Rauting, handelt es sich um eine Tochter von Heiden/Heitten/Henrich Müller aus Freudenberg, und sie muss somit eine Schwester des am 21.6.1653 auf dem Scheiterhaufen in Hilchenbach als “Hexenmeister” verbrannten Bernhard Müller sein (siehe auch: Hexenverfolgung in Nassau-Siegen),  der in erster Ehe mit Clara Friesenhagen verheiratet ist. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass die Ehefrau des Freudenberger Pfarrers Johannes Alexius, Maria, Patin der am 17.8.1617 getauften ältesten Tochter von Bernhard und Clara Müller wohl eine gebürtige Bach und Schwester des Freudenberger Schultheissen Johann Bach ist.

Nach Catharinas Tod heiratet Johannes Stahlschmidt in zweiter Ehe Anna Paffrath, die Tochter des Hückeswagener Bürgermeisters Wilhelm Paffrath, mit der er weitere acht Kinder zeugt. Die Familie Paffrath ist ebenfalls im Eisengewerbe tätig und wird in Eversmanns Übersicht als Hammerbesitzer erwähnt. Johannes gute Charaktereigenschaften gehen u.a. aus dem folgenden Ferndorfer Kirchenbucheintrag hervor, als die gebürtige Agnes Höfer, Ehefrau des Kirchenältesten Johannes Müller, kurz vor ihrer Niederkunft mit einem Sohn Johannes in eine missliche Lage gerät, die wie folgt wiedergegeben wird: “Obengenannte Frawe hat die Kinds-schmertzen gegen Eichen erst, ufm kahren, empfunden, drümb der Fuhrmann zwar an seinem fleiß nichts mangeln lassen, weilen aber zu Ernstorff einige Leut sie nicht einnehmen wollen, so hat sie hierhin eilen müssen, da ohn grossen schmertzen nicht zu gangen, alß sie aber für Johannes Stahlschmidts behaußung kommen, der sie willig einnehmen wollen, ist das kind schon uf der kahren gebohren gewesen, welches kind nach 10 tagen gestorben.”

Hier die beiden Auszüge aus dem Ferndorfer Totenbuch zu Catharina Rauting (1669) und Anna Paffrath (1711). Johannes’ Ableben ist nicht im Ferndorfer Kirchenbuch zu finden.  Er muss aber vor November 1705 gestorben sein, da er bei der Hochzeit der Tochter Anna Judith am 3.11.1705 nicht mehr lebt.

Von den vielen Nachkommen des Ehepaares Johannes Stahlschmidt und Catharina Rauting soll hier nur kurz auf die folgenden eingegangen werden:

  1. Wie im Kapitel “Plettenberger” erwähnt, bleibt Johannes, der älteste Sohn des nach Plettenberg verzogenen Johannes Peter Stahlschmidt, in Ferndorf. Johannes heiratet im Jahr 1723 und bekommt mit seiner Ehefrau Anna Catharina Irle acht Kinder, von denen die Nachfahren des ältesten Sohnes und Gerichtsschöffen, nämlich des im Jahr 1793 verstorbenen Jost Friedrich Stahlschmidt das Elternhaus versteigern lassen. So ist in den Dillenburger Intelligenznachrichten vom 19. Jan. 1799 zu lesen: “Den 11. Februar 1799 soll das des Herrn Gerichtsschöffen Stahlschmidts Erben zu Ferndorf abgeschätzte Wohnhaus vor dem Berg sub nr. 41 durch den Herrn Gerichtsschöffen Klein zu Ferndorf an den Meistbietenden verkauft werden.
  2. Jenny Johanna Weiss (*6.8.1881 in Hilchenbach), die in das alte, mächtige und einflussreiche Adelsgeschlecht derer von Egloffstein einheiratet. Ihre Schwiegereltern sind Freiherr Ludwig von Egloffstein und Elise, geb. Freiin von Imhof zu Mühlhausen in Oberfranken und Bayern. Jennys Ehemann, Freiherr Wilhelm Karl Camill von Egloffstein, ist der Stammvater des dritten Astes, der mit seinem Tod am 18.3.1929 in Bamberg, erlischt (siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Herren_von_Egloffstein);
  3. Anna Margretha Stahlschmidt (*19.9.1818 Hilchenbach), die den Freudenberger Witwer Johann Henrich Siebel (*6.8.1805) zum Ehemann bekommt und ihm sieben Kinder schenkt, darunter den späteren Meisterfotografen Carl Siebel, dessen Sohn Max (*24.10.1872 in Oberdresselndorf) gemäss Auszug aus der MA-Zeitschrift der Fa. Gontermann-Peipers, eine Fotofiliale in Plettenberg eröffnet. Johann Henrich Siebel ist in erster Ehe mit der Anna-Catharina-Stahlschmidt-Tochter Maria Catharina Siebel verheiratet, die nach nur sechsjähriger Ehe einen Tag nach der Geburt der dritten Tochter stirbt;
  4. Hermann Stahlschmidt (* 6.8.1748 Siegen), verheiratet mit Anna Margarethe Schleifenbaum. Hermann bricht seine Zelte 1803 in Siegen ab, wie den “Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten des Jahres 1803 auf Seite 483 unter der Rubrik “Verganthungen” entnommen werden kann: “Hermann Stahlschmidt von Siegen, herrschaftl. Hammerpachter zu Steinbrücken, will folgende Gebäude und Güther an die Meistbietende, jedoch mit freyer Wahl unter den zwey Letztbietenden, bey nachstehenden zwey Gerichten verkaufen lassen. A) Bey dem Stadtverhöre zu Siegen, den 10. Septemb. Vormittags 1) ein Haus in der Marburger Strase, Nr. 500, sammt dem daneben liegenden Bauplatz, gegen der Löwenapotheke über samt Miststätte in der Hintergasse; 2) ein Gartenland in der Stadt auf der Höhe bey der platte Marg. 30 Ruth. 3) eine Wiese in der Leimbach an Simon Meinhard, 150 R. 4) eine daran stossende, der Rain genannt, 200 R. 5) Zwey Theile Grashof mit Obstbäumen am Siegberg, an Hrn. Burgerm. Dresler, 44 Ruthen; 6) noch 2 Theile Grashof das. an Fr. Witt. Stahlschmidt [Anna Maria Margaretha Louisa, geb. Buchsbaum] , 44 Rt; 7) ein Feld auf dem Girsberg, an Hrn. Schug, 120 R.  8) Das an Matterbach zu Fickenhütte stossend, 150 Rt. 9) eine halbe Tuchrahm in Hermann Schneiders Garten auf der Höhe. Sodann einen noch fast neuen Wollentuchmacherstuhl. B) Durch f. Amt Siegen. Bey Ludwig Capito jun. vor der Hard, auch am 10. Sept. Nachmittags. In Harder Gemarkung, 10) 1 1/2 Hammertag samt Schoppen, Platz und Bäuchen, und alte Tage. 11) Ein Feld auf dem Ruttenguth untig Fickenhütte zehntfrey, an Hr. Forstrentm. Vollbracht stossend 120 R. 12) ein Feld am Birkelche, obig Fickenhütte, 147 1/2 R. 13) ein Gartenland in Schneppenkauter Garten, 14 R. 14)  1/14 Bergwerk auf dem Eisern Seifen, obig Schneppenkauten.”
  5. Hermann Stahlschmidt  (*31.7.1780 Siegen), verheiratet mit Anna Elisabeth Fölzer, ist  Baumwollentuchfabrikant. Er hat vom 19.2.1799 ab einen grossen Teil Deutschland, Oesterreichs und Italiens bis Neapel durchwandert und über die wirtschaftliche und bauliche bedeutung der berührten Orte und die zurückgelegten Entfernungen gewissenhaft Buch geführt. Dieses Buch ist 1942 im Besitz von Marie Romberg, Siegen. Später bereiste er geschäftlich das Siegerland und die Nachbarkreise. Im Alter von etwa 40 Jahren 1821 und 1822 war er eines Nasenleidens wegen längere Zeit in der Universitäts-Klinik in Bonn. In seinen Briefen schildert er eingehend die ausserordentlich einfach Verpflegungsverhältnisse in Bonn, die ihn aber offenbar zufrieden stellten. Auch die ärztliche Behandlung lobt er sehr. Während der grossen Herbstferien wurden keine Kranken aufgenommen2. Hermann stirbt bereits am 29.3.1823 in Siegen und erlebt die Heiraten seiner beiden Töchter Wilhelmine am 9.9.1838 mit Lederfabrikant Ludwig Herbig aus Burbach und Marie Friederike am 16.2.1838 mit dem gebürtigen Hagener Buchbinder Christian Julius Stemper leider nicht mehr mit.
Fussnoten
  1. Ludwig Herbig, Geschichte der aus der ehemaligen Grafschaft Nassau-Dillenburg stammenden Familie Herbig. Gedruckt bei „´Kasteel van Aemstel“, Amsterdam 1942 []
  2. Ludwig Herbig: Geschichte der aus der ehemaligen Grafschaft Nassau-Dillenburg stammenden Familie Herbig. Gedruckt bei „´Kasteel van Aemstel“, Amsterdam 1942 []