Tagebuch für Auguste
Stahlschmidt
Dieses 25 Seiten umfassende
Tagebuch gehörte Auguste Wengenroth, geb. Stahlschmidt. Sie ist eine
Tochter von Karl Wilhelm Stahlschmidt (*29.03.1804) und Maria Catharina
Schulte (*05.01.1808).
Hier einige Auszüge:
Habe nicht wie alle Welt geweint.
Nur Tränen lindern Schmerzen. Wohl dem der mit dem Auge weint, ich weine
mit
dem Herzen. Weil trocken bleibt mein Angesicht, mich viele ruhig wähnen;
Die
Glücklichen!
Sie kennen nicht das Weh der trockenen Tränen.
Geduld, die seeligste der Tugenden, ist nicht umsonst. Du kriegst sie nie
durch dulden, auch nicht auf einmal, wie ein anderes Gut; Allmählich wird
sie dein durch Stillesein und Fragen Lieben, hoffen und verzeihn. Der gute
Wunsch nur kann geduldig sein.
Wer die Kraft und Mittel besitzt, sich aus den Täuschungen des Lebens in
ein
Asyl zu retten wo der gütige Geist den schwachen verwaisten Herzen
Gesellschaft leistet und beide vereint nur noch als Zuschauer auf die
verlassene Bühne blicken, der darf seine Erfahrungen als einen Schatz
betrachten, mit dessen Zinsen sich für den Rest des Tages gut haushalten
lässt.
Der Leidende musste noch einmal das volle Herz dem lieben Vater dort oben
ausschütten.
Sei ruhig mein Herz! Sei ruhig und heiter wie die Natur in ihrer Schöne.
Herr, der du mir den Morgen und Mittag meines Lebens ertragen halfs, laß
den
Abend desselben, der sich mit geschwinden Schritten nahet, laß ihn schöner
als den Tag sein.
Ein Mensch sein heißt: ein Kämpfer sein
Goethe
Rufe nicht vergangenen Tage
Nicht vergangenes Glück zurück
Leb die Gegenwart und klage
Doch nicht um verlor'nes Glück
Elise Polka
15ten Mai 1870
Es ist bestimmt in Gottes Rath.
Mein Herz ist stille zu Gott der mir hilft
Wie ist so schön ein Auge dass So lang geweint. Wenn endlich auf die
Tränen
des Lebens Sonne scheint.
16ten März 1871
Ein warmes Herz hat aufgehört für mich zu schlagen.
Ich weiß, an wen ich glaube!
17ten März 1871
Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen!
Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohl gehen.
Herr, lehre mich nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott. Dein
guter Geist führe mich.
An meinen so früh heimgegangenen Bruder Carl zu seinem Geburtstage am 3ten
July
Dein Andenken bleibt mir immer und werth, denn du warst hienieden schon
ein
Engel und wirst es nun mehr dort oben im Himmel vollkommener sein.
Zum Geburtstage meines Carl, der am 11. Februar 1869 in ein besseres
Leben
abberufen ist.
Ich bedanke mich herzlich bei
Horst Hassel in Plettenberg (siehe auch das Plettenberg Lexikon unter
Links), der diese Veröffentlichung ermöglicht hat.
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